Das Internationale Storytelling-Festival bereicherte erneut das Programm von EUROPA in SCHWARZENAU

SCHWARZENAU. Folke Tegethoffs Erzähler-Compagnie machte in Kooperation mit EUROPA in SCHWARZENAU auch heuer Station im Waldviertel, diesmal wieder in Großhaselbach im Kulturstadl des Döllerwirts. Der Vormittag des 14. Juni ‘19 gehörte den Schulkindern, die in zwei Vorführungsblöcken je fünf großartige Performances genießen durften. Am Abend waren ALLE eingeladen, den verschiedenen Arten der Erzählkunst beizuwohnen. Einige der Künstler waren dabei deutscher Herkunft, entsprechend dem Gastland bei E.i.S. 2019/20.
Wie immer begann es mit Musik: Rafael Sotomayor und Kate Stone – beide leben in Deutschland – stellten das noch weitgehend unbekannte Instrument Hang vor, das man sich wie zwei eingedellte, aufeinander gelegte Wok-Schüsseln vorstellen kann; die Töne entstehen durch Antippen der richtigen Stellen der hohlen Metallkörper. Virtuos bis elegisch waren die gespielten Stücke.
Daraufhin las Tegethoff selbst aus zwei seiner Buckligen-Welt-Geschichten, die Teil seines letzten Buches sind, Absätze vor.
Als nächste betrat die US-Amerikanerin Charlotte Blake Alston die Bühne, um die Gefühle eines Flusses in ihrer Urheimat Afrika mit Stimme und Gesten ergreifend wiederzugeben.
Dann wurde es artistisch, als Tom & Ayla (D / NL) ein mit Hebefiguren gespicktes Pas-des-deux präsentierten; der Raum nach oben war gerade eben so noch hoch genug.
Klaus Adam (D) brachte hernach wieder verbale Erzählkunst mit einer Brustwarzen-Geschichte, die aus aus Bagdad stammen soll.
Nach der Pause und erneuten Hang-Stückchen entführte Peter Gößwein aus Hamburg die Zuseher mit Stimme und Piano in die Welt von den Gebrüdern Marmor, Stein und Eisen, welche das Glück suchten, bis sie die Liebe fanden.
Als veritables Highlight erwies sich der Auftritt von Alex Barti (DK), dessen vierzigfädige (!) Marionette als Pianist im Little-Richard-Stil oder als Gipsy King mit Gitarre wahre Begeisterungsstürme erzeugte.
Den Abschluss des Programmes bildete Shun Sugimoto (JPN), dessen tänzerische Bodenturn-Akrobatik das Publikum die Luft anhalten ließ.
Wegen des donnernden Applauses gab es von allen Künstlern je eine kurze, zumeist improvisierte Draufgabe, welche ebenfalls  mit tosendem Beifall bedacht wurden. Nach mehr als drei Stunden exquisiter Erzählkunst endete die „Lange Nacht der fantastischen Geschichten“ mit mehr als zufriedenen Besuchern beim Döllerwirt zu Großhaselbach; manche blieben gar bis zum Morgengrauen, um sich mit den Künstlern des Abends zu unterhalten.

Fotos und Text von Uli Küntzel